Favoriten, München

Lion Feuchtwangers “Erfolg” – ein bayerischer Klassiker

Noch bis 15.2.15 ist die Ausstellung im Literaturhaus München!

Aus der MUH 15:

Hübscherweise am St.-Anna-Platz im Lehel, wo Jahrzehnte später der Tscharlie Häusler und seine Spezln ihr Wesen treiben sollten, wuchs der Schriftsteller auf, der die wohl berühmtesten Münchner Geschichten der Weltliteratur niederschrieb. Lion Jacob Arje Feuchtwanger, geboren am 7. Juli 1884, aufgewachsen in wohlhabenden Verhältnissen als Sohn eines jüdischen Fabrikanten, feierte seinen ersten großen Romanerfolg – nach jahrelanger Tätigkeit als Dramatiker – 1925 mit „Jud Süß“. Im gleichen Jahr zog er nach Berlin, nicht zuletzt desillusioniert über die politische Entwicklung in München, wo die nationalsozialistische Bewegung Fuß fasste. Aus der Berliner Distanz schrieb Feuchtwanger seine historischen Roman „Erfolg“ – das Porträt seiner Heimatstadt München.
„Erfolg“ erzählt die Geschichte Münchens von 1921 bis 1924, vor dem Hintergrund von Inflation und Arbeitslosigkeit. Der Roman setzt ein nach der blutigen Niederschlagung der Räterepublik und gipfelt im Hitlerputsch im November 1923. In fünf Büchern bildet er die wesentlichen Teile der Gesellschaft Bayerns ab: „Justiz“, „Betrieb“, „Spaß. Sport. Spiel“, „Politik und Wirtschaft“ sowie „Erfolg“. Feuchtwanger erzählt nicht die Geschichte eines einzelnen Helden, sondern bedient sich Figuren der unterschiedlichsten Schichten, montiert Einzelaufnahmen und Szenen zu einem Panoptikum seiner Zeit. In Anlehnung an die Techniken des Films entsteht so eine visionäre Überschau Münchens und seiner Bewohner. Dabei sind hinter den facettenreichen Typen mehr oder weniger deutlich Persönlichkeiten der Zeitgeschichte auszumachen. So finden Ludwig Thoma, Ludwig Ganghofer, Karl Valentin und Bert Brecht, aber auch Adolf Hitler und Erich von Ludendorff ihre Entsprechung in Romanfiguren. Auch sich selbst schafft Feuchtwanger ein Pendant: den Schriftsteller Jaques Tüverlin.
„Erfolg“ trug Lion Feuchtwanger den Unmut vieler Bayern ein. Dabei zeichnet er ein durchaus ambivalentes Bild von München. Das Buch ist auch eine Liebeserklärung an die Stadt, zeigt Sympathie für jene querschädlige, undoktrinäre Freizügigkeit, aus der das bayerische gwamperte Selbstbewusstsein gemacht ist. Keine der Figuren, handelt sie noch so verachtenswert, ist ganz frei von sympathischen Zügen. Im Vordergrund von „Erfolg“ steht aber die kritische Diagnose Bayerns, des aufkommenden Nationalsozialismus, seiner Unmenschlichkeit und Lächerlichkeit und wie ihm durch die Untätigkeit der Demokraten und die Machtgier der Verantwortlichen in Justiz und Regierung der Weg bereitet wurde. „Erfolg“ ist ein Plädoyer gegen die Dummheit und Dumpfheit der Gesellschaft und bleibt darum immer aktuell – ein echter bayerischer Klassiker.
Noch bis 15.2.2015 widmet das Münchner Literaturhaus „Erfolg“ eine Ausstellung, bei
der auch die Kernthemen des Romans und deren historischer Kontext gezeigt werden.

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